Warum Fliesen keine Kacheln sind

Die Geschichte der Kachelöfen ist mindestens genauso interessant und umfangreich, wie die der holländischen Fliesen.

Die Bezeichnung für Kachel „cacabus“ ist schon im Althochdeutschen „chachala“ nachweisbar und bedeutet Tontopf.

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Geschichte der Fayencetechnik

Die Dekortechnik mit der diese Fliesen mit einem Pinsel dekoriert oder bemalt wurden nennt sich Fayence. Das Wort „Fayence“ entstammt der Stadt Faenza in Italien in der man Keramiken mit dieser Dekortechnik im großen Stil herstellte und exportierte. Der Ursprung dieser Technik liegt in Ägypten und Persien und wurde mit den Mauren im 13. Jahrhundert nach Europa gebracht.

Der vorgebrannte Keramikscherben wird mit einer weißgetrübten Zinnglasur überzogen. Nachdem die Glasur getrocknet ist, wird auf die ungebrannte getrocknete Glasur ein Motiv mit Pinsel aufgetragen und durch einen 2. Brand eingebrannt.

Schon im 13. Jahrhundert führten die Mauren keramische Fayencefliesen in Spanien und Portugal ein. Durch Handelbeziehungen verbreiteten sich diese Fliesen und das Herstellungsverfahren in Europa. Im 16. Jahrhundert wurden in Holland die ersten Manufakturen gegründet. Zu dieser Zeit waren die Dekore noch überwiegend bunt.

Als im 17. Jahrhundert das erste weiß-blaue chinesische Porzellan in Europa eingeführt und große Mode wurde, erfasste diese Mode auch die Fliesenherstellung. Von da ab wurden die weiß-blauen Fliesen hergestellt und über Jahrhunderte in die ganze Welt exportiert.

Im 18. Jahrhundert kamen diese Fliesen in großen Mengen zu uns nach Deutschland, wo sie nicht nur auf den großen und wohlhabenden Höfen der Küsten in den guten Stuben ihre Heimat fanden, sondern auch in wohlhabende Bürgerhauser und sogar Schlössern Einzug hielten.

Das wohl bekannteste Ensemble der norddeutschen Wohnkultur befindet sich auf Hallig-Hooge dem Königspesel. Zu erwähnen wäre noch das Schloss Nymphenburg in München, ein sehr repräsentatives und schönes Beispiel.

Kellinghusenfliesen

Kellinghusen liegt mitten in Schleswig-Holstein circa 50km von nördlich von Hamburg entfernt. Dieser Ort ist als Keramikstadt wegen seiner Fayencen bekannt. Über die Jahrhunderte verbreitete sich die Fayencetechnik in ganz Europa. So wurden nicht nur Fliesen mit dieser Dekortechnik gefertigt, auch Gebrauchsgeschirr, wobei sich diese Erzeugnisse im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten, da sie sehr viel preiswerter und nicht weniger schön waren als das teurere Porzellan.

Kellinghusen war wahrscheinlich wegen Ihrer farbenfrohen sehr schwungvollen Malereien charakteristisch und prägend für die Schleswig-Holsteiner Keramikgeschichte. Die älteste schriftlich verfasste Erwähnung über die Produktion, stammt aus dem Jahr 1798. Ab da durchlebte diese Manufaktur eine bewegte Geschichte und ein stätes auf und ab. Sie wurde immer wieder geschlossen und neu ins Leben gerufen, 2007 musste diese Manufaktur ihre Tore wieder schließen. Wir haben uns auch mit der Reproduktion dieser Fliesen beschäftigt. Die gängigsten Motive sehen sie hier abgebildet.

Die ganzen Jahrhunderte durch erhielt sich das Unverwechselbare, Charakteristische der Kellinghusener Fayencen, die schwungvollen Malereien in Verbindung mit den bunten Farben auf gelben Hintergrund. Das machte Sie auch so bekannt.